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Workshop "Neglected Diseases"

Die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen veranstaltete am 15. Juni 2010 einen Workshop zu den sogenannten „Neglected Diseases“. Dabei handelt es sich um Infektionskrankheiten, die gerade in den von Armut geprägten Regionen besonders schwerwiegende Folgen haben können.

HörsaalKaffeepausengespräche

Die Veranstaltung sollte zu einem verstärkten Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der unterschiedlichen Fachdisziplinen beitragen um zukünftig die Zusammenarbeit zu intensivieren.
Die knapp 70 Teilnehmer*innen nahmen diese Gelegenheit wahr und vertieften den wissenschaftlichen Dialog. Vor allem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der im Entstehen begriffenen zoonotischen Forschungsverbünde nutzten die Gelegenheit um die nächsten Schritte ihrer Verbundforschung zu planen.


Joachim Krebser

Herr Joachim Krebser vom BMBF ermunterte die Teilnehmer, sich auch über die aktuellen Forschungsprogramme zu vernachlässigten, armutsassoziierten Infektionskrankheiten bzw. den neu zu etablierenden, zoonotischen Forschungsverbünden zu Neglected Diseases hinaus, weiter und verstärkt zu vernetzen.

Prof. Dr. R. Horstmann


Mit einem spannenden Übersichtsreferat führte Herr Prof. Dr. R. Horstmann von Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in die Thematik ein und ging dabei auf die Vielfalt der Erreger und Übertragungswege ein. Dabei zeigte sich erneut, dass bei einer Vielzahl der Neglected Diseases bezüglich des Reservoirs noch hoher Forschungsbedarf besteht. Zusätzlich beleuchtete Herr Prof. Horstmann die politischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen bei der Bekämpfung der Neglected Diseases. Neben den Neglected Diseases haben Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS eine eindeutige armutsassoziierte Komponente. 

Dr. Elvira Richter

Der Thematik der Tuberkulose widmete sich Frau Dr. Elvira Richter vom Forschungszentrum Borstel und zeigte die Fortschritte und Rückschläge in der Tuberkulose-Forschung der letzten Jahrzehnte. Dabei ist die Entwicklung eines hochwirksamen und leicht applizierbaren Impfstoffes mit einem geringen Nebenwirkungsspektrum die Herausforderung schlechthin um im Zeitalter zunehmender Resistenzbildung die Bevölkerung weltweit vor Tuberkulose zu schützen.


Dr. Andrea Kreidenweiss (Eberhard Karls Universität, Tübingen)

Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierten die erfolgreichen Bewerber-/innen des Förderprogramms des BMBF „Förderung von Nachwuchsforschergruppen und Mobilitätsstipendien zur Erforschung vernachlässigter und armutsassoziierter übertragbarer Erkrankungen“ ihre jeweiligen Forschungsziele.

Frau Dr. Andrea Kreidenweiss von der Eberhard Karls Universität Tübingen erforscht mit Hilfe der cytometric beads array-Technologie Mehrfachinfektionen von Schistosoma, Malaria und Ascaris und will damit einen einfachen Einmaltest zum Parasitennachweis etablieren.

Jana Hegewald

Frau Jana Hegewald – ebenfalls von der Eberhard Karls Universität Tübingen – präsentierte stellvertretend für Dr. David Hamm das Nachwuchsgruppenprojekt zur Untersuchung der zellulären Immunantwort bei polyparasitären Infektionen. Darüber hinaus soll die zelluläre Genexpression bei Mehrfachinfektionen (Necatoriasis, Schistosomiasis und Amoebiosis) auf molekularer Ebene analysiert werden.

Dr. Meral Esen (Eberhard Karls Universität, Tübingen)


Frau Dr. Meral Esen (Eberhard Karls Universität, Tübingen) lieferte mit ihrem Vortrag zur Impfstoff-Entwicklung einen spannenden Beitrag zur Untersuchung von Schulkindern in Gabun. Voruntersuchungen zeigten, dass der gleichzeitige Befall mit Geohelminthen die Immunantwort bei Vakzinierung signifikant unterdrückt. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen die Auswirkungen einer antihelminthischen Therapie auf die Immunogenität in Vakzinierungsprogrammen unter Berücksichtigung der internationalen Standards zur Durchführung klinischer Studien untersucht werden.


Dr. Christian Drosten

Der dritte Teil der Veranstaltung war den neu zu etablierenden, zoonotischen Forschungsverbünden im Kontext mit Neglected Diseases gewidmet. Einleitend berichtete Prof. Dr. Christian Drosten (Universitätsklinikum Bonn) über den bereits seit 2007 bestehenden Forschungsverbund „SARS - Ökologie und Pathogenese einer archetypischen Zoonose“, der aufgrund der starken Vernetzung der relevanten Akteure beachtliche Forschungsfortschritte erzielen konnte.


Anschließend präsentierte der Verbundkoordinator des zu gründenden VibrioNets – Dr. Eckhard Strauch (BfR, Berlin) –die Forschungsagenda des Verbundes mit seinen insgesamt acht Teilprojekten. Die Forschungsarbeiten zu Vibriosen beginnen voraussichtlich im IV. Quartal 2010.
Auch der Koordinator des Forschungsverbunds „Lyssaviruses – a potential re-emerging public health threat“  (Dr. Thomas Müller, Friedrich-Loeffler-Institut) zeigte auf eindrucksvolle Weise, dass die verschiedenen Lyssavirusvertreter nur durch konzertierte Forschungsaktivitäten bekämpft werden können und somit die erneute Verbreitung der Tollwut eingedämmt werden kann.

Dr. Eckhard StrauchDr. Thomas Müller

 

Der Workshop zeigte erneut, dass nur durch gemeinsame Forschungsanstrengungen Erfolge bei der Prävention, Diagnose und Therapie von Neglected Diseases, die zum überwiegenden Teil den zoonotischen Infektionskrankheiten zuzuordnen sind, erzielt werden können. Diesem Ziel hat sich auch die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen verschrieben.


Download: Abstractband und Programm
Präsentationen:
Esen, Meral Dr.
Kreidenweiss, Andrea Dr.
Müller, Thomas Dr.
Strauch, Eckhard Dr.
 

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